Projekt- & Programmmanagement

    Ein Termin ohne Commitment ist kein Plan. Es ist eine Ausrede mit Datum.

    23. Oktober 2026 Lesezeit 6 minDonato BlandolinoDonato Blandolino

    In Transformationsprojekten gibt es zwei Arten von Terminen: solche, zu denen sich niemand verpflichtet, und solche, die grün bleiben, bis sie platzen. Beide kosten dasselbe. Was fehlt, ist in beiden Fällen nicht der Termin, sondern die Ehrlichkeit über den Termin.

    Grafik mit einem schwebenden Sportwagen und der Aussage: Neun Jahre Verzug, und die Welt jubelt?! Eine Vision begeistert. Ein Termin verpflichtet.
    Eine Vision begeistert. Ein Termin verpflichtet.

    In Transformationsprojekten gibt es zwei Arten von Terminen: solche, zu denen sich niemand verpflichtet, und solche, die grün bleiben, bis sie platzen. Beide kosten dasselbe. Was fehlt, ist in beiden Fällen nicht der Termin, sondern die Ehrlichkeit über den Termin.

    Ein Beispiel von ausserhalb der Industrie zeigt, wie der Unterschied aussieht.

    Neun Jahre Verzug, und die Welt jubelt

    Tesla hat den neuen Roadster 2017 angekündigt. Produktion 2020, hiess es damals. Am 15. Oktober 2026 wurde er in Texas vorgestellt. Produktion ab 2028.

    Neun Jahre Verzug, und das Publikum jubelt. Das funktioniert, weil niemand auf den ursprünglichen Termin gebaut hat. Kein Zulieferer hat dafür eine Linie aufgestellt, kein Kunde einen Produktionsstart davon abhängig gemacht.

    In einem Werk ist das anders. Dort hängt an jedem Termin eine Linie, die weiterlaufen muss. Deshalb jubelt bei Verzug in Transformationsprojekten niemand, und deshalb lohnt es sich, das Muster dahinter zu verstehen.

    Warum sich in Projekten niemand auf einen Termin festlegt

    Das Muster beginnt lange vor dem Verzug. Es beginnt damit, dass kein verbindlicher Termin genannt wird. Go-live, Startproduktion, Übergabe: alles „in Abstimmung", alles „abhängig von". Drei Gründe stecken dahinter.

    Kein Commitment, kein gebrochenes Commitment. Wer keinen Termin nennt, kann keinen verpassen. Das schützt den, der liefern soll, und es fühlt sich professionell an, weil es vorsichtig klingt. In Wahrheit verschiebt es das Risiko vollständig auf den Auftraggeber.

    Abhängigkeiten als Dauerargument. Jedes Projekt hat Abhängigkeiten. Sie werden zum Problem, wenn sie nicht benannt und terminiert, sondern als Grund genutzt werden, sich gar nicht festzulegen. „Abhängig von der Datenmigration" ist keine Aussage, solange niemand sagt, wann die Migration fertig ist und wer das verantwortet.

    Gelb bedeutet Ärger. Wo ein gelber Status Fragen nach der Schuld auslöst, wird nicht gelb gemeldet. Der Termin bleibt grün, bis er rot ist. Das ist keine Böswilligkeit, sondern die logische Reaktion auf eine Kultur, in der Ehrlichkeit bestraft wird.

    Wenn dann doch ein Termin genannt wird, läuft es häufig wie beim Roadster: um ein Vielfaches verzögert. Nur ohne Applaus.

    Was ein verschleppter Go-live tatsächlich kostet

    Die sichtbaren Kosten eines Verzugs stehen im Projektbudget. Die eigentlichen stehen woanders.

    KostenartWas passiertWo es auftaucht
    Gebundene KapazitätKey User, Fachbereichsleiter und Projektteam bleiben Monate länger gebunden und fehlen im TagesgeschäftIn keiner Projektrechnung, aber in jeder Abteilung
    Doppelte StrukturenAlt- und Neusystem, alter und neuer Prozess laufen parallel weiterLizenzen, Schulungen, Fehlerkorrekturen
    Gestapelte ProblemeWas im Go-live gelöst werden sollte, wird nicht gelöst, sondern vertagt. Die Liste wächstIm nächsten Statusbericht, als neue Risiken
    VertrauensverlustDie Mannschaft erlebt den dritten verschobenen Termin und glaubt den vierten nicht mehrIm Engagement bei Schulungen, Tests, Cutover
    ExistenzrisikoBei Standorten mit dünner Marge wird ein verschleppter Go-live vom Projektproblem zur StandortfrageIm Gespräch mit Gesellschaftern und Banken
    Go-live-Verzug: Kosten jenseits des Projektbudgets

    Wir haben Standorte gesehen, bei denen ein verschleppter Go-live keine Verspätung mehr war, sondern eine Existenzfrage. Nicht wegen der Projektkosten, sondern wegen allem, was in der Tabelle unterhalb der ersten Zeile steht.

    Was Tesla richtig gemacht hat

    Vor dem Stunt am 15. Oktober sagte Elon Musk ins Publikum, sinngemäss: Erfolg ist nicht garantiert. Wahrscheinlich funktioniert es. Wenn nicht, stehen wir weit genug weg.

    Das ist, unabhängig davon, was man von Tesla hält, ein Termin mit offenem Risiko. Kein Grün. Ein ehrliches Gelb, vor Tausenden Leuten. Der Termin stand, das Risiko war benannt, und der Plan für den Fall des Scheiterns auch.

    Genau das fehlt in den meisten Transformationsprojekten. Nicht der Termin. Die Ehrlichkeit über den Termin.

    Wie ein ehrlicher Termin aussieht

    Ein verbindlicher Termin besteht aus vier Teilen, und die meisten Projekte liefern nur den ersten, oder keinen.

    • Das Datum. Ein konkreter Tag, kein Quartal, keine Spanne. „Q3" ist kein Termin, sondern eine Verhandlungsposition.
    • Der Sicherheitsgrad. Wie wahrscheinlich hält das Datum, und woran hängt das? „Zu 80 Prozent, wenn die Stammdaten bis Ende Mai bereinigt sind" ist eine Aussage, mit der ein Auftraggeber arbeiten kann. „Wir sind zuversichtlich" ist keine.
    • Die Bedingungen mit Namen. Jede Abhängigkeit, die den Termin gefährden kann, bekommt einen Verantwortlichen und ein eigenes Datum. Dann ist „abhängig von" kein Ausweichen mehr, sondern ein Plan.
    • Die Frühwarnregel. Vorab vereinbart: Ab welchem Punkt wird Gelb gemeldet, und was passiert dann? Wer Gelb meldet, bekommt Hilfe, keine Schuldfrage. Nur so wird vor dem Platzen gemeldet statt danach.

    Ein Termin, der alle vier Teile hat, kann trotzdem reissen. Aber er reisst nicht unangekündigt, und er reisst nicht um ein Vielfaches.

    Drei Fragen an jeden, der Ihnen einen Termin nennt

    Wer externe Unterstützung beauftragt, kann die Verbindlichkeit im ersten Gespräch prüfen.

    • Nennen Sie mir ein Datum, und wie sicher ist es? Wer ausweicht, hat keinen Plan, sondern eine Absicht.
    • Was muss bis wann passieren, damit es hält, und wer verantwortet das? Wer hier nur „der Kunde" sagt, hat das Risiko bereits weitergereicht.
    • Wann erfahre ich, wenn es nicht hält? Wenn die Antwort „im nächsten Lenkungsausschuss" lautet, erfahren Sie es zu spät.

    Wie wir damit umgehen

    Wir nennen einen Termin. Wir sagen, wie sicher er ist und woran das hängt. Und wir stehen dafür, dass er hält, oder sagen früh, warum nicht. Das ist unbequemer als „in Abstimmung", für beide Seiten. Es ist aber der einzige Weg, auf dem ein Werk seine Linie planen kann.

    Ein Termin, zu dem sich niemand verpflichtet, ist kein Plan. Es ist eine Ausrede mit Datum.

    Wann hat sich in Ihrem letzten Projekt zuletzt jemand auf einen Termin festgelegt, und was ist daraus geworden?

    Häufige Fragen

    Warum werden Go-live-Termine in Transformationsprojekten so oft verschoben?

    Selten wegen technischer Probleme. Meist, weil von Anfang an kein verbindlicher Termin genannt wurde, Abhängigkeiten als Dauerargument dienen und ein gelber Status Konsequenzen hat. Wo Ehrlichkeit über den Termin bestraft wird, bleibt der Status grün, bis er rot ist.

    Was kostet ein verschobener Go-live wirklich?

    Die Projektkosten sind der kleinere Teil. Teurer sind gebundene Kapazität im Tagesgeschäft, doppelt laufende Strukturen, vertagte statt gelöste Probleme und der Vertrauensverlust der Mannschaft. Bei Standorten mit dünner Marge kann ein verschleppter Go-live zur Existenzfrage werden.

    Was macht einen Projekttermin verbindlich?

    Vier Teile: ein konkretes Datum, ein benannter Sicherheitsgrad mit Bedingungen, Verantwortliche und Termine für jede Abhängigkeit, und eine vorab vereinbarte Frühwarnregel. Fehlt einer davon, ist der Termin eine Absicht, kein Plan.

    Wie erkenne ich, ob ein Dienstleister sich wirklich auf einen Termin festlegt?

    An drei Fragen im ersten Gespräch: Welches Datum und wie sicher? Was muss bis wann passieren und wer verantwortet das? Wann erfahre ich, wenn es nicht hält? Wer bei einer davon ausweicht, hat das Risiko bereits an Sie weitergereicht.

    Über SMART iNTERIM

    SMART iNTERIM Management ist Transformationspartner für die produzierende Industrie: Operational Transformation, SAP- und Enterprise-Transformation, Program & Project Management sowie Interim Management und Executive Search. Wir kommen aus der Praxis, nicht aus der Distanz. Hauptsitz Schweiz, Niederlassung Dubai.

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